Armut nicht mit Armut verwechseln
[May 18, 2008; Miscellaneous, German]

Ein Lottogewinn von 5 Millionen Euro lässt 2 Haushalte in Deutschland verarmen.

Wie geht das? Eigentlich ganz einfach: Alles was man dazu braucht, ist eine schlechte Armutsdefinition, wie sie auch im Armutsbericht der Bundesregierung verwendet wird. Nach dieser Definition ist jeder arm, der weniger als 60% des Durchschnittseinkommens erhält. Steigt das Durchschnittseinkommen, werden plötzlich Menschen als "arm" eingestuft, deren reale Lebenssituation sich überhaupt nicht verschlechtert hat.

Die folgende Überlegung ist stark vereinfacht, der Effekt tritt aber auch bei genauer Rechnung auf: Die Armutsgrenze liegt zur Zeit bei 781 Euro im Monat. Es gibt in Deutschland 4,5 Millionen Haushalte mit einem Durchschnittseinkommen zwischen 500 und 900 Euro. Verschiebt sich die Armutsgrenze um einen Euro, verarmen in diesem Einkommensbereich im Schnitt 12000 Haushalte - zumindest auf dem Papier.

Ein Lottogewinn von 5 Millionen Euro bringt bei 5% Zinsen und 50% Besteuerung derselben immerhin ein Zusatzeinkommen von 10000 Euro monatlich. Dadurch steigt das Durchschnittseinkommen aller deutschen Haushalte zwar nur um 0,03ct (und die Armutsgrenze um 0,02ct), aber das genügt bereits, um im Mittel 2 Haushalte unter die Armutsgrenze zu drücken. (Oder genau genommen die Armutsgrenze über 2 Haushalte zu heben.)

 
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